Road Captain Huberts Nepal Scouting Tour Tagebuch im Mai 2015

Tag 1 - Road Captain Huberts erster Bericht aus Kathmandu vom Abend des 7. Mai 2015 :

Heute bin ich pünktlich nach Flugplan in Kathmandu gelandet. Ohne Probleme konnte ich den zweiten Sack mit 20 Kg bei Air India mitnehmen. Kostenlos. Die vorbereiteten Papiere reichten aus.

Auch bei der Einreise in Nepal lief alles sehr relaxt. Kein Stau beim Visaschalter. Auch sah auch nur drei Weiße. Beim Ausgang ebenfalls alles super entspannt. Wenige Menschen. Auch keine die unbedingt weg wollten.

So sauber, ruhig und angenehm habe ich Kathmandu noch nie erlebt. Eine Million Menschen weniger, die in die Dörfer und aufs Land gefahren sind, um Familie, Verwandten und Freunden zu helfen, das macht sich bemerkbar. Auch das ständige Gehupe gibt es zurzeit nicht.

Vergesst mal alle die Schreckensbilder in den News und im Internet. Sicher, sie sind passiert und man kann sie nicht tot schweigen. Aber jeder, der heute angekommen wäre und zum Hotel gefahren wäre, hätte sich gefragt: "Bin ich wirklich im richtigen Land?" Die Shops sind offen, genauso die Restaurants, Menschen auf den Gehsteigen oder in ihren Gärten. Normales Leben hat wieder begonnen. Natürlich ist dies nur mein erster Eindruck, aber ein hoffnungsvoller.

Das ich es nicht vergesse - 40 Kg Medikamente und Verbandsmaterial wurde von mir abgeliefert. Viele Gespräche habe ich geführt und natürlich so einige Geschichten gehört. Aber eine ist mir besonders hängen geblieben. Die Regierung hat und macht gute Arbeit. Sie unterstützt ihr Volk. Natürlich ist nichts perfekt, aber wer und was ist das schon.

Ich habe ein gutes Gefühl und hätte ich eine Gruppe, ich würde sofort mit ihnen losfahren und ihnen die Schönheit Nepals zeigen. Auch meine Freunde konnten schon wieder lachen. Und das ist für mich das Wichtigste.

Road Captain Huberts erster Bericht aus Kathmandu

 



Tag 2 - Tagesbericht von Road Captain Hubert Neubauer vom Fr.08. Mai

Heute sah ich das andere Nepal. Wir fuhren in eines der am stärksten betroffenen Gebiete Richtung Osten, gerade mal 70 Kilometer von KTM entfernt.

Die alten oder mit wenig Geld gebauten Häuser hatten keine Chance. Das Leben geht aber schon seinen normalen Gang - neben der Zerstörung. Alle Shops sind geöffnet. Es wird verkauft, getratscht, geschraubt und gegraben. Im kleinen Restaurant wird Tee getrunken und Zeitung gelesen, gleich neben einem Hotel das nicht mehr aufmachen wird.

Wohin man sieht, Zerstörung. Ein Gebiet, in das nur wenige oder keine Touristen hinkommen. Aber gerade deswegen sind wir hier. Janga Lama von Firante Trek, mein Freund, ist hier gewesen um zu helfen. Schon bevor er gewusst hat, dass ich kommen kann. Er machte einen Halt um etwas zu trinken. Da sah er einen Jungen, dem es nicht gut ging. Er kam aus diesem Dorf, das wir heute besuchen, weit entfernt von jeder Hilfe.

Es gibt im Dorf Banskharka, im Gebiet Sindhubalchok 736 Häuser. Diese sind sehr weit verstreut. Deswegen bezeichne ich sie als kleine Dörfer innerhalb des Dorfs. Zwei davon erreichen und besuchen wir.
Als wir ankommen wird gerade eine religiöse Zeremonie abgehalten. Für die 35 Toten die sie zu beklagen haben. Freundlich grüßen sie uns. Ich sehe mich um, eine weinende Frau kommt mir entgegen, gestützt von zwei anderen. Ich höre das Trommeln des Abschieds, andere hocken am Boden und essen Dal Bhat - Reis mit Linsen, das traditionelle Essen der Nepalis. Ich blicke wieder hoch zu den Trümmern ihrer Häuser, dann wieder zu den Menschen. Es ist extrem heiß. Beim Weitergehen stehe ich auf Schutt und rieche etwas Unangenehmes. Somar Banjam meint, seine zwei Wasserbüffel liegen darunter, sie hatten keine Chance.

Somar Banjam hat auch sein Haus verloren, er ist unser Kontakt zum Dorf. Er hilft wo er nur kann. Gemeinsam besuchen wir die Schule, die aus mehreren Häusern besteht. Es gibt sie nicht mehr. Sie steht zwar noch aber rein gehen möchte ich da nicht. Selbst dieses Gebäude, stabil gebaut mit viel Beton und Eisen war zu schwach. 400 Schüler haben keine Schule mehr. Die nächste Schule ist zu weit entfernt um dorthin zu gehen. Was werden die Schüler nach einen Monat machen, fragte ich Janga? "Die Regierung beschloss, einen Monat gibt es keine Schule. Sie werden unter den Bäumen unterrichtet werden, so wie ich damals." Auch Menschen aus der untersten Kaste, die noch weniger haben als die anderen leben hier. Das sind 20 Häuser, 110 Menschen. Kein Haus steht mehr.

Ich sitze nun auf einen Getreidesack im Schatten, die kleine Gruppe von Menschen hat uns in diese Notunterkunft, bestehend aus ein paar Bambusstangen und einer Plasktikplane gegeben. Janga sitzt neben mir, alle anderen hocken am Boden. Somar und Janga sprechen mit ihnen, alle Augen auf uns gerichtet. Ruhig und ohne Hast diskutieren sie. Dann wieder ein Nicken. Janga übersetzt für mich. Sie brauchen Aluminium, das man zum Dachdecken in Nepal verwendet. Der Monsun kommt schon bald, jeden Tag kann es dann 2-3 Stunden regnen, oft auch den ganzen Tag, und das von Juni bis September. Diese Aluminiumplatten werden den Regen abhalten und später, wenn der Monsun vorbei ist und sie vielleicht mehr Mittel haben, können sie diese Platten für ihre Dächer verbauen. Mein Blick fällt auf den Boden, wo sie sitzen. Dünne Matten - braucht ihr auch so etwas? Ja, das wäre toll und wenn es geht auch ein paar Decken. Keine Forderung nur ein bescheidenes "wenn es geht".

Janga und ich wissen schon längst, dass wir ihnen helfen werden. Wir alle, auch ihr/sie, die Geld gespendet haben und uns so unterstützen. Beim Abschied falten alle ihre Hände und strahlen uns an. "Namaskar" kommt von ihnen.
"Namaskar" ist ein Sanskrit-Wort, welches vom Sanskrit-Wort "Namaha" (was so viel wie Ergebenheit bedeutet) abstammt. Beim Gruß mit Namaskar achtet und ehrt die Seele einer Person die Seele einer anderen Person.

Tagesbericht von Road Captain Hubert Neubauer

 



Tag 3 - Hubert Neubauer auf "Hotel Scouting Tour" für unsere Solidarity Rides im Oktober und November 2015

Hi Peter,
Hier ein paar Bilder von der "Nagarkot Country Villa", Sprung im Stiegenhaus. Das ist alles!
Die Straße hoch - kein Problem. Wiedereröffnung auch schon bald. Fachleute haben das Hotel schon kontrolliert - alles sicher, so die Aussage. Ich konnte auch nichts Negatives sehen.

Beim "Last Resort" sieht es auf den ersten Blick nicht so gut aus, die haben geschlossen und fangen jetzt erst mal an zu "renovieren". Wissen nicht, ob sie ab September öffnen können. Haben es aber fest vor. Im Oktober dann aber bestimmt. Die Straße ist bis Kodari offen aber sehr gefährlich zu befahren; alle 15 Minuten kommt da irgendwas runter. Da hat es anscheinend alles lose gerüttelt und das kommt nun bei der leichtesten Erschütterung nun runter. Der Monsun wird noch mehr runter bringen. Dort muss sich erst mal alles beruhigen. Nicht so gut für Werner und die Overland Gruppe...

Morgen fahren wir nach Charikot.
Thamel in Kathmandu ist alles OK. Auch unser "Nirvana Garden Hotel". Außer die zwei Häuser in der Nachbarschaft! Siehe das Bild... Da müssen wir immer vorbei. Aber kein Problem.

Jetzt geht gerade ein heftiges Gewitter runter. Super!
Beste Grüße
Road Captain Hubert

Hubert Neubauer auf

 



3. Tag - Road Captain Hubert Neubauers - Nepal Reisetagebuch

Meine Tage sind viel zu kurz. 12 Stunden waren wir wieder unterwegs, diesmal für ein Schweizer Hilfsprojekt. Ein kleiner Abstecher erlaubte mir Bhaktapur zu besuchen.

Genug mit den Schreckensbildern. Sollen wir wirklich all das Schöne vergessen?
Nein, denn viel zu schön sind die historischen Plätze Nepals. Viel haben diese zu bieten, zu entdecken und zu erleben. Bhaktapur, eine der drei Königsstädte im Kathmandutal. Diese Bilder machte ich heute - also nach dem Erdbeben.

Wie üblich, gehe ich durch die engen Gassen von Bhaktapur, besuche den Durbar Square mit seinen Tempel und Holzschnitzereien. Ich konzentriere mich auf das Erhaltene. Lasse es nicht zu, meine Kamera auf das Andere zu richten, das was es nicht mehr so gibt wie ich es kenne.

Ich gehe weiter zum Nyatapola Tempel, dieser ist der höchste im Kathmandu Tal. Ich bin erleichtert als ich hochblicke. Zwei Kämpfer, zwei Elefanten, zwei Löwen, zwei Vögel , in der obersten Etage die Tigergottheit Baghini und die Löwengottheit Singhini, jede Figur ist 10 mal stärker als der untere. Gemeinsam waren sie stark genug.

Frauen und Männer blicken aus ihren Fenstern runter auf den Platz. Einige Männer mit ihrer traditionalen Kopfbedeckung sitzen auf einer Erhöhung. Sie tratschen wie sie es immer machen. Ich sehe keine Trauer, ich sehe keine Angst. Wie stark sind doch die Bewohner von Bhaktapur.



Bericht von unserem Roadcaptain Hubert auf Nepal Scouting Tour

 



4 Tag. Bericht von unserem Roadcaptain Hubert auf Nepal Scouting Tour...

Ein harter Tag geht für uns zu Ende. 8 Stunden reine Fahrzeit auf nicht gerade freundlichen Straßen. Mit einen Bike wäre es angenehmer gewesen. Aber 250 kg Reis und jede Menge Packungen Nudeln können nur mit einem Auto transportiert werden.

Die Straße nach Charikote ist OK, kaum Erdrutsche. Allerdings viel zerstörte Häuser sind am Weg zu sehen. Menschen am Straßenrand warten auf Hilfsgüter wie Reis, Linsen, Nudeln und Plastikplanen, so dass sie beginnen können, ihre Schutzunterkünfte für die Monsunzeit zu bauen.

Große Organisationen mit ihren gut vorbereiteten Leuten warten schon 10 Tage in Charikot auf die Hilfsgüter die nur sehr langsam durch den Zoll kommen. Alles ist vorbereitet von den Freiwilligen, alles genauestens eingeteilt, wer wohin und so weiter.

Im Land selbst gibt es genug das wartet verteilt zu werden. Wir blieben einfach neben einen Shop stehen und kauften 250 Kilo Reis und jede Menge Nudeln. Der Shop ist noch immer ganz voll.
Bei der Verteilung ist Vorsicht geboten. Jeder benötigt etwas, nicht alle können etwas bekommen. Dadurch kann die Verteilung in einen Tumult enden, so hat es Janga mein Freund schon erlebt. Es geht aber auch anders. Es gibt überall Vertreter der Dörfer die das Vertrauen der Dorfbewohner genießen. Mit ihnen muss man sprechen, dann geht alles reibungslos ab. Es bleibt auch genug Zeit für viele Fotos. Dies war nicht meine Idee, die Dorfbewohner wollten unbedingt dass ich Fotos mache.

Das "Charikote Panorama Resort" ist OK, kaum Schäden an den Unterkünften. Aber das Restaurant und die Küche gibt es nicht mehr. Es wird jedoch schon fleißig daran gearbeitet. In drei Wochen möchten die Besitzer beginnen eine neues Restaurant mit Küche zu bauen.

Man merkt die Schweizer Hand. Die Besitzer senden liebe Grüße an Peter und die Classic Bike Gäste und an die Road Captains In der nächsten Saison werden sie uns willkommen heißen, das versprechen sie!
Etwas zum Schmunzeln, es geht nicht anders. Zwei Brüder, zwei Hotels. Zwei Säulen sind in der Garage unter dem Hotel im Weg. Fahrzeuge können nicht richtig in die Garage fahren. Entfernen wir doch die Säulen vom Hotel welches ja eh sehr stabil gebaut wurde, so die Idee. Die Garage ist nun flach und das Hotel hat eine leichte Schräglage. So wird die Geschichte von den Bewohnern in Charikot erzählt.

Beste Biker Grüße aus Nepal, Euer Hubert

Bericht von unserem Roadcaptain Hubert auf Nepal Scouting Tour Eines unsere Lieblingshotels in Nepal seit vielen Jahren ist das "Charikote Panorama Resort". So sah das Restaurant / Küchen / Bargebäude vor dem Erdbeben aus...

Bericht von unserem Roadcaptain Hubert auf Nepal Scouting Tour

Und so danach... Die Hotelbesitzer Top + Judith Thapa mit einem Enkel vor den Trümmern.
Die Gebäude mit den Zimmern sind alle stehen geblieben, ohne Risse oder Zerstörungen. Im Oktober wollen sie unbedingt wieder geöffnet haben, und wir werden wieder dort wohnen!


Charikot Panorama Resort

 



5. Tag - Reisetagebuch der Nepal Scouting Tour - Road Captain Hubert

Es ist laut, viele Gerüche wehen in meine Nase. Müsst ihr denn ständig Hupen?

Das Herz von Thamel schlägt wie immer rasend schnell. Souvenirshops, Bar, Restaurants, Cafés alles ist hier, im beliebtesten Touristenviertel von KTM und alles hat geöffnet, obwohl wenige Touristen zu sehen sind.
Die engen Gassen, voll von Leben, bringen mich zum Markt, nicht weit entfernt vom Durbar Square. Viele Händler verkaufen ihr Gemüse. Frauen und Männer durchsuchen das Angebot. Alles ist da, ich vermisse nichts. Auf der anderen Seite wühlen gerade mehrere Frauen an einem Bekleidungsstand. Die großen Töpfe und Pfannen aus Kupfer und Messing ziehen mich nach wie vor an. Es wimmelt nur so von Leuten. Ja, das ist Kathmandu wie ich es kenne und liebe. Immer finde ich etwas Neues, das mich anzieht. Was ich beobachte und auch fotografiere. Ich bin mittendrin und nur für kurze Zeit ein Teil des Geschehens.

Natürlich möchte ich an diesem Tag nicht verschweigen, dass am Durbar Square sehr viel zerstört wurde, momentan ist er größtenteils abgesperrt. Saß ich doch noch im Dezember auf dem Dach eines Cafés und blickte runter auf den Platz, auf die so herrlichen Tempel. Vieles ist verloren gegangen, wird nicht mehr so sein wie früher. Ich denke an meine Bilder, die ich vor so kurzer Zeit gemacht habe. Damals im Dezember habe ich etwas für die Ewigkeit festgehalten. Das ist der Grund warum ich Fotograf bin.

Wieder etwas zum Schmunzeln.
Die Macht der Medien. Sarah aus Amerika, sie war schon oft in Nepal, kennt sich hier aus. Als sie die Schreckensnachricht vom zerstörerischen Erdbeben in Nepal hörte, verfolgte sie jeden Tag die Nachrichten. Immer wieder rief sie ihre Freunde in Nepal an. Soll ich kommen, wie kann ich helfen. Was soll ich bringen? Sie hörte, dass es bald Wasserknappheit in Katmandu geben wird. Auch die Lebensmittel werden ausgehen. Endzeitstimmung wurde von den Nachrichtensendern aus aller Welt gezeigt. Menschenmassen verlassen die Stadt.

Die verunsicherte Sarah, obwohl Insiderin, wird nun 10 Kg Trockenfrüchte mitbringen wenn sie nächste Woche nach KTM reist, damit kann sie locker sieben Tage überleben, denn sie hat ja gelesen und gehört es gibt nichts mehr zu essen!

Apropos Essen.
Wir sitzen heute in einem sehr netten Restaurant. Moderne Musik im Hintergrund. Pärchen oder Familien an den Nebentischen. Das Leben geht weiter.
Der Kellner bringt uns gerade Holzofenpizza. Ja, nach fünf Tagen Reis mit Linsen und Linsen mit Reis schmeckt diese hammer-gut.

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Tag 6. Huberts Nepal Tour Tagebuch -

Erdbebenstärke 7,3 nun weiß ich wie sich das anfüllt.
Drei Stunden haben wir heute Morgen den Truck beladen. Mit 500 Platten Aluminium zum Shelter bauen. Mit diesem Material überstehen an die 170 Menschen, (das sind so an die 20 Familien) den Monsun im Trockenen und später können sie die Platten für die Dächer der neuen Häuser verwenden. Reis, Linsen, Nudeln, Kekse in großen Mengen; genauso Seife und Wassereimer.

Kurz vor Melamchi hatten wir am Truck einen Platten. Wir waren gerade beim Reifenflicken, ich stand am Anfang einer Brücke unter einen Baum. Es war extrem heiß. Ich blickte rüber zu mehreren zerstörten Häusern, im Hintergrund das rosa Haus, das ich vor ein paar Tagen fotografierte. Dann war es da, alles vibrierte, Menschen schrien liefen aus den Häusern, Staub schoss hoch. Menschen liefen vor dann wieder zurück. Die Häuser wankten, ein Motorradfahrer stürzte. Ich wankte, hatte aber ein gutes Gefühl an einen sicheren Platz zu sein. 10-20 Sekunden dauerte das Erdbeben. Danach griffen sofort alle zu ihren Handys.

Es gab weitere Beben, kaum zu spüren, nur die Eisenstangen an einem nicht fertig gebauten Haus schwankten hin und her. Nach zwei Stunden erreichten wir das Dorf Banskharka, im Gebiet Sindhubalchok, wo wir am 2. Tag waren und wir konnten all die so dringend benötigten Hilfsmittel abgeben.

Große Freude bei den Menschen. Es gab kein Drängeln, keine hektischen Wortgefechte. Ein jüngerer Mann bedankte sich mehrere Male bei mir, er konnte auch Englisch: "So eine große Hilfe, es kommt mir wie im Traum vor. Ich kann es gar nicht glauben..."
Wir werden - wie die meisten Menschen - nicht in ihren Häusern sondern im Freien schlafen. Bei der Rückfahrt nach KTM haben wir gesehen, wie alle nach draußen drängen, Zelte und Planen aufbauen, sogar auf den Gehsteigen...Die Angst, dass es in der Nacht wieder kommt ist groß, am Tag hat man noch einen Überblick und weiß wo man hin kann... aber wenn alles dunkel ist...

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Tag 7 Road Captain Huberts Nepal Tagebuch

Keiner hat gut geschlafen. Viele, wenn nicht alle, verbrachten die Nacht im Freien.
Reich wird arm. Arm wird reich.

Was helfen die schönsten Häuser, wenn man sich nicht traut darin zu schlafen? Viele Wohlhabende in Katmandu haben keine Zelte. Sie rufen Trekkingagenturen an um Zelte zu kommen. Die Trekkingagenturen haben aber keine mehr, diese haben sie den Ärmeren gegeben, deren Häuser zerstört sind. Nun schlafen die Ärmeren in Zelten...

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Tag 8 - Road Captain Huberts Tagebuch aus Nepal

Die zweite Nacht im Zelt in Kathmandu. Morgens spreche ich mit einer Zeltnachbarin. Es geht uns soweit gut, sagt sie. Positiv Denken, dann wird es schon gehen. Dies hat aber auch gute Seiten meint sie, wir Nachbarn haben uns jetzt viel besser kennen gelernt. Wir sind für einander da, wir helfen uns.

Gestern war ich in Svayambhunath, auch Monkytempel genannt. Hier gehe ich sehr gerne hoch auf diesen bewaldeten Hügel. Sehr viele Affen leben hier. Manches Mal können sie sehr frech werden besonders wenn man etwas zu Essen eingesteckt hat. Ich habe gehofft, dass es nicht so schlimm ist. Leider ist die Zerstörung sehr groß. Svayambhunath ist auch gesperrt. Wir bekommen aber die Erlaubnis, hoch zu gehen und können uns so selbst ein Bild machen. Die Spiritualität, die Aura dieses besonderen Ortes hat der Zerstörung Platz gemacht.

Ich bin zu tiefst überzeugt das Nepal auch nach diesen, nun zwei großen Erdbeben, eine Reise wert ist. Aber manches Mal, in den letzten Tagen, fällt es mir sehr schwer, meinen Gedanken treu zu bleiben.
Ich habe mir zwei Verantwortungen auferlegt. Die erste, ich werde Nepal mit seinen so herzlichen Menschen helfen wo es nur geht, wieder auf die Beine zu kommen
Ich habe aber auch eine Verantwortung gegenüber den Menschen, denen ich erzähle sie sollen nach Nepal reisen. Die mit mir vielleicht bald unterwegs sein werden.

Soweit es meine Zeit zulässt mache ich mir selbst ein Bild von den meist befahrenen Strecken. Besuche die Hotels, die Gästehäuser, spreche mit den Managern, versuche so viel wie möglich Information über belebte Trekkinggebiete einzuholen, wo es sicher ist, wo es kaum Zerstörung gegeben hat.

Geben sie Nepal und uns ein wenig Zeit...

Road Captain Huberts Tagebuch aus Nepal

 



Tag 9 - Road Captain Huberts Tagebuch aus Nepal

Heute stehe ich in Patan, einer der drei Königsstädte von Kathmandu und sehe nur ganz wenig Zerstörung. Tempel sind gar nicht oder nur sehr wenig vom Erdbeben beschädigt.
Es ist wie ein Lichtstrahl nach langen Tagen ohne Sonne. Ich sauge dies förmlich in mich auf, habe neue Ideen.

Wir sind Richtung Süden ins Terai nach Chitwan unterwegs. Durch viele kleine Dörfer fahren wir. Wenn ich noch so genau schaue, wir sehen kaum Zerstörung. Hier und da mal ein kleiner Sprung oder ein sehr altes Haus, das zusammengefallen ist. Die Felder werden bearbeitet, der Reis ist hier schon sehr hoch.

Erneut sehe ich einen Lichtstrahl.
In Sauraha an der Grenze zum Chitwan National Park ist alles in Ordnung, nichts ist hier passiert. Es ist aber sehr ruhig. Die Sessel am Fluss, wo man so schön den Sonnenuntergang mit einem kühlen Getränk beobachten kann, sind leer. Genauso die Restaurants. Die Safari Jeeps sind leer. Es gibt keine Touristen, alle sind weg. Sie haben Nepal verlassen, sind gar nicht gekommen oder haben Nepal ganz vergessen.

Und genau das darf nicht passieren. Nach dem Monsun dürfen die Besucher nicht ausbleiben. Sonst passiert noch eine Katastrophe nämlich eine ökonomische. Ganz Nepal ist vom Tourismus abhängig.

Ich bin mir jetzt schon sicher, dass es Plätze und Gebiete in Nepal gibt und geben wird wo sie als Reisender etwas besonders erleben werden, dass sie ihr ganzes Leben nicht vergessen werden. Und das sie durch ihr Kommen um ein Vielfaches mehr mit Nachhause nehmen werden.

Lassen wir die Zeit für uns arbeiten und Nepal als Reiseziel nicht vergessen...

Road Captain Huberts Tagebuch aus Nepal

 



Tag 10 - Road Captain Huberts Tagebuch aus Nepal

Nach 8 Tagen die erste notwendige Rasur. Ich bin ein wenig ausgelaugt. Müde nach vielen Tagen Erdbeben in Nepal.

So oft kann man die Schönheit am Rande übersehen. Ich nahm mir Zeit dafür. Einen ganzen Tag verbringe ich auf einer kleinen biologischen Nepali Farm. Diese Farm liegt 140 Kilometer südlich von Pokhara. Hier ist Nepal so wie Nepal vor den Erdbeben war. Es ist grün überall blühen zarte Blumen, weit und breit keine Zerstörung.

Morgens bin ich einen kleinen Pfad gefolgt, der mich auf einen Hügel brachte. Einen Eisriesen kann ich im Dunst schwach erkennen. Es ist ruhig, einige Vögel zwitschern, ab und zu höre ich das schreien einer Ziege. Es ist so friedlich, meine Gedanken sind hier weit vom Erdbeben weg. Es tut gut.

Es wird Gemüse und Salat angebaut auf den kleinen Terrassen. Ziegen werden hier auch gezüchtet. Ein Junge kommt gerade mit Futter in Form von Ästen mit großen grünen Blättern den steilen Hang hoch. Die Ziegen warten schon. Ein Stück weiter werden Kühe gehalten für Milch und Käse. Nachwuchs gab es auch vor kurzem. Schnaps wird gebrannt, Holz zum Bauen für ihre Häuser selber gesägt. Das Land um die Farm ist sehr groß, doch die Menschen die hier arbeiten bekommen nichts geschenkt. Es reicht gerade von der Hand in den Mund.

Sie haben eine Idee. Touristen sollen einen Tag bei ihnen verbringen um zu sehen, wie der normale Tag auf einer kleinen biologischen Farm in Nepal abläuft. Verwöhnt werden die Besucher dann mit besten gesunden biologischen Essen. Alles von ihnen auf ihrer Farm produziert.

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Tag 11 - Road Captain Huberts Tagebuch aus Nepal

Der Rachen der ökonomischen Katastrophe in Nepal ist weit offen.
Pokhara Lake Front ist der Ausgangspunkt in die Annapurna Region.
Zwei Achttausender, Annapurna und Dhaulagiri, sowie der Machapucharé, der Heilige Berg Nepals in Sichtweite über dem See.

Kali Kandaki, die tiefste Schlucht der Welt. Ursprüngliche Dörfer mit ihrer noch alten erhaltenen Tradition, umgeben von Eisriesen. Dichte Wälder, sich schlängelnde Flussläufe sowie dich willkommen-heißende, freundlich lachende Menschen.

Jetzt : Geschäfte sind einfach geschlossen. Die Restaurants, Cafés, Internetshops, Souvenirläden und Tourenanbieter haben die Türen noch weit offen, sowie auch die Hotels und Gästehäuser. Die Angestellten warten, sie langweilen sich. Sie ahnen, dass vor Oktober sicher keiner mehr kommen wird. Viele meinen die Touristen werden erst in einen Jahr wieder kommen. Wenn Nepal großes Glück hat und es keine schweren Beben mehr gibt?

Alle fragen sich jetzt: Wie sollen wir die Miete bezahlen, wie sollen wir unsere Angestellten bezahlen? Die Hälfte mussten wir schon nach Hause zur ihren Familien schicken. Wie sollen diese für das Notwendigste zum Leben aufkommen? So viele, wie soll es weiter gehen?

Mit vielen habe ich gesprochen, Trekking-Anbietern, Restaurant- und Hotelbesitzern, genauso mit den Angestellten der Souvenirläden. Ich bekam immer die gleiche Antwort. "Pokhara ist sicher, du kannst sofort loswandern, keine Probleme in der Annapurna Region. Wanderer sind gestern erst zurückgekommen. Einige, von den wenigen die jetzt noch hier sind ,brechen morgen auf eine Tour nach Muktinath auf. Die Straße hoch ist OK, wie vor dem Beben. Nur ganz wenige Schäden gibt es."

Natürlich würde ich gerne alles mit meinen eigenen Augen sehen aber dies ist nicht möglich. Dazu reicht meine Zeit nicht. Aber auch ich habe in den letzten Tagen viel gesehen, so dass ich sehr gut abschätzen kann, dass die Informationen, die ich bekomme, der Wahrheit entsprechen.

Um 21 Uhr ist die Hauptstraße sehr dunkel, fast alles ist schon geschlossen. Normalerweise beginnt zu dieser Zeit der Rhythmus von Lake Front erst so richtig zu schlagen. Die Straßen sind dann voll von Leben. Genauso die Restaurants, Bars und Plätze wo es Live Musik gibt. Keiner denkt daran, vor Mitternacht ins Bett zu gehen, zu viel gibt es zu sehen, zu erleben. Nur nicht dieser Tage. Es ist nun alles anders. Ein mächtiger Schlag der Natur hat alles geändert. Fast alles! Das herzliche Lächeln der Menschen, das freundliche Namasté ist geblieben.

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Tag 12 - Road Captain Huberts Tagebuch aus Nepal

Bandipur hoch oben auf einen Bergkamm gelegen, per Luftlinie gerade einmal einen Steinwurf von Gorkha entfernt. Eines der sehr stark betroffenen Gebiete. Ich hatte meine Bedenken als ich nach Bandipur hochfuhr, zu dieser sehr alten Newari Ansiedlung. Es ist kaum vorstellbar: Es gibt kaum Schäden. Bandipur mit seinem besonderen Charme, seiner Liebe zum Detail hat Allem standgehalten. Im ?Old Inn?, meinem Lieblings Hotel checke ich die Zimmer. Keine Risse, nichts ist zu erkennen. Ich bin sehr froh darüber, sofort würde ich einchecken wenn es meine Zeit erlauben würde. Auch der Hotelbesitzer meint bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee, dass sie großes Glück hatten.

Ich werde weiter genauestens beobachten, aber ich bin mir nun sehr sicher, dass im Oktober viele Gebiete Nepals wieder bereist werden können. Abgesehen natürlich von den Gefahren die es schon vor dem Erdbeben gegeben hat.

Der Weckruf der Natur. Nepal musste einen hohen Preis bezahlen. Zu hoch, aber dies können wir nicht mehr ändern.

Die Menschen in Nepal sind sich näher gekommen. Die Hilfsbereitschaft war und ist noch immer enorm. Genauso in der gesamten Welt. Viele sind auf Nepal aufmerksam geworden. Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nepal wird nie wohlhabend sein. Aber vielleicht können wir gemeinsam helfen, dass es den Menschen ein wenig besser geht.

Gemeinsam können wir Nepal wieder auf die Beine helfen. Gemeinsam können wir den Himalaya stützen.

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Hier Huberts letzter aktueller Eintrag, den er nach der Rückkehr nach Kathmandu geschrieben hat :

Datum: Tue, 19 May 2015 14:51:00 +0200
Von: Hubert Neubauer
Hi Peter,

Bin nun wieder zurück in KTM. Soweit alles bestens.
Grünes Licht von meiner Seite.

Die gesamte Strecke von Kathmandu-Chitwan-Lumpini-Pokara-Muktinath-Bandipur-River Spring Resort-KTM ist auch nach zwei schweren Erdbeben sowie sie immer war,gut zu fahren.

Außer beim ziemlich schwer betroffenen Last Resort und dem Charikote Panorama Resort, da würde ich mich jetzt noch nicht festlegen. Aber dort wird unsere Hilfe gebraucht, und wenn wir dort hin wollen, dann übernachten wir halt mal wieder in einem Zeltlager.
Habe heute noch mit dem Manager von Kalobani Guesthouse sowie mit Patrik dem Besitzer aus Holland vom High Plan Inn gesprochen ( sie sind unsere Lieblings-Quartiere auf der "Road to Mustang" Tour ). Beide haben mir bestätigt, dass es kaum Schäden gibt. Sie schlafen alle in ihren Häusern. Das Beben war natürlich auch sehr stark in ihrer Region zu spüren aber zu ihren Glück waren sie weit genug vom Epizentrum entfernt. Busse fahren wieder täglich nach Muktinath hoch sowie auch vereinzelt Motorräder und Jeeps.

Ruhig ist es natürlich auch bei ihnen geworden. Bandipur auch alles bestens, kommt heute noch auf meine Facebook Seite. Habe im River Spring Resort alle Bungalows besichtigt. Konnte keine Sprünge erkennen. Nur der Rauchfang beim Hauptgebäude bekam etwas ab. Der Swimmingpool mit all seinen Säulen steht und ist dicht. Wie gesagt, alles bestens !
Let´s Rock Nepal Together !

Erst auf dem Weg nach Kathmandu, ca. 50 km vom Mugling River Resort entfernt, sieht man wieder vereinzelt beschädigte Häuser. Dies bleibt dann bis KTM so, aber insgesamt ist es überall hier viel weniger schlimm als in der Region Sindhupalchowk und Charikote, Ich habe noch 2 Tage in Kathmandu, und werde jetzt noch ein Soforthilfeprojekt für ein besonders schwer betroffenes Dorf organisieren, mehr dazu in Kürze.

Liebe Grüße
Hubert





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Road Captain Hubert´s letzter Tagebucheintrag :

Ehrlich gesagt oder geschrieben bin ich nun schon sehr froh Nepal zu verlassen. Die vielen Tage waren anstrengend. Die Hitze und natürlich auch die ständigen Beben. Die kleinen Beben, ich sage mal unter 5 merkt man kaum etwas oder irgendwie bebt es sehr oft. Es geht nicht nur mir so auch die anderen mit denen ich so spreche haben das gleiche Erlebnis. Nach solch doch zerstörerischen Erlebnissen hat sich da bei jedem etwas im Kopf festgesetzt.
Wenn ich da an die kaum vorstellbaren Erlebnisse denke die viele Nepalesen miterlebt haben dann sind meine natürlich kaum nennenswert.

Ich denke da an Gunjun Bhujel und seine Frau. Gunjun ist Träger, ich war schon einmal gemeinsam mit ihm im Himalaya unterwegs. Er wohnt im zweiten Stock, sie waren beide zuhause als das erste Beben losging. Das Haus stürzte ein, sie und die anderen Bewohner des Hauses hatten keine Chance. Wie durch ein Wunder überlebten die beiden im zweiten Stock. Die anderen im ersten und im dritten Stock überlebten nicht. Auch sein Haus zuhause in den Bergen bei seinen Eltern brach zusammen.

Das Leben geht weiter. Die Menschen Nepals sind es gewohnt kein einfaches Leben zu führen immer wieder auf das Neue gefordert zu werden.

Ich schreibe diese Zeilen im Zug nach Hause. Es ist recht kühl in Österreich. Es ist grün so schön erfrischend grün? Es tut gut wieder mal nach Hause zu kommen.

Ich denke gerade wie oft wir nicht gut gelaunt sind. Wegen einer Kleinigkeit! Kaum der Rede wert. Es ist Wochenende, es ist kalt und regnerisch. So viele wollten doch in der Sonne liegen, am Abend mit Freunden im Freien grillen. Keiner lächelt mich an als ich so durch den Zug gehe.
Als ich durch einige der zerstörte Gassen von Bhaktapur ging haben mich viele freundlich angelacht??

Road Captain Hubert´s letzter Tagebucheintrag

 





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